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Medienmitteilung

Generelles Verbot für Choraktivitäten

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Aufgrund der Bundesrat-Verordnung vom 28.10.2020 sind Proben und Aufführungen von Laienchören zurzeit verboten. Ein Enddatum wurde nicht festgelegt. Das Verbot gilt bis auf Weiteres.

Die täglichen Rekord-Zahlen der vergangenen Wochen in beider Basel lassen jedoch den Rückschluss zu, dass die Ursachen der hohen Ansteckungsrate offensichtlich nicht primär in Choraktivitäten zu finden sind.

Dennoch, es geht um unser aller Gesundheit! Das Wichtigste ist jetzt, gesund zu bleiben und Chorsängerinnen und Chorsänger, ihre Familien und das Publikum nicht unnötig zu gefährden.

Aber ein Chor lebt von der Gemeinschaft, etwas miteinander voranzubringen. Und ja, es ist frustrierend, wenn die ganze Sorgfalt für die Erstellung und Umsetzung eines Schutzkonzepts mit der neuen Verordnung keine Beachtung findet und umgestossen wird. Ausserdem haben Chöre die räumlichen Möglichkeiten in Schulaulen, Gemeindesälen, Kirchen etc. optimal genutzt, um keine Risiken einzugehen. Auch gibt es bezüglich der Aerosole-Ausstossung keine Unterschiede zwischen singenden Laien und Profis. Ausgerechnet das gemeinsame Singen generell zu verbieten, demgegenüber jedoch alle anderen Vereins- und Freizeitaktivitäten mit 15 Personen und Schutzauflagen weiterzuführen, kann keine Lösung sein. Der Entscheid ist mit den in der Medienmitteilung des Bundesrats publizierten Gründen nicht zu verstehen. Hier wird Gleiches ungleich behandelt!

Statt eines generellen Chorverbots hätten wir uns vorzugsweise einen lösungsorientierten Weg gewünscht, z.B. durch gezielte finanzielle Unterstützung für den Einsatz von geeigneten Luftreinigungsgeräten und/oder Belüftungsinstallationen, Hilfe bei der Bereitstellung genügend grosser Probenräume, usw.

Deshalb hoffen wir auf die Gesprächsbereitschaft der Entscheidungsträger und deren Berater*innen mit Chorverbänden aller Art, um einen Weg zu finden, wie wir uns bald wieder zum gemeinsamen Singen treffen und persönlich in unseren Chören begegnen können, ohne uns zu gefährden.

Die von Bund und den Kantonen zugesicherten finanziellen Handreichungen für Kulturvereine im Laienbereich, die auch den Fortbestand der Gesangensembles und der Chöre sichern, sind überaus erfreulich. Dadurch wird es möglich, eine finanzielle Notlage abzuwenden, die möglicherweise die Auflösung eines Chores zur Folge hätte. Die finanzielle Abfederung nehmen wir gerne als Signal entgegen, dass das Singen, als auf der ganzen Welt etabliertes Kulturgut, auch hierzulande einen hohen Stellenwert geniesst.

Aber es ist zu befürchten, dass das generelle Chorverbot einschneidende Folgen für die Zukunft haben wird, je länger es mit diesem unflexibel formulierten Wortlaut in Kraft bleibt. Möglicherweise werden nicht alle Chöre die Krise überstehen. Es gibt Sängerinnen und Sänger, die in der Corona-Pandemie aus Vorsicht nicht an Proben und Auftritten teilnehmen. Es wäre sehr traurig, wenn sie nicht mehr in ihren Chor zurückfinden.

Deshalb weisen wir ausdrücklich auf die sozialen und gesundheitsfördernden Aspekte des Singens hin. Einerseits ist da die nachgewiesene gesundheitsfördernde Wirkung des Singens. Singen hat positive physische und neurobiologische Auswirkungen auf das Nervensystem, das Herz, das Hormonsystem und das Gehirn. Wer singt, lebt gesünder. Singen baut Stress ab und sorgt für Glücksgefühle. Nicht zu vergessen ist, dass auch die Kontakte zueinander positive Effekte auf die Psyche haben. Für jeden einzelnen kann Singen auch eine Bewältigungsstrategie für die aktuellen Einschränkungen bedeuten, welche die Pandemie uns täglich abverlangt. Singen kann Emotionen regulieren und ausgeglichener machen sowie Sozialkompetenzen fördern.

Wir können allen Chören und Gesangensembles in dieser schwierigen Zeit nur raten, mit dem gebotenen Abstand untereinander in Kontakt zu bleiben. Möglichkeiten bieten sich z.B. für ein OnlineSingen an in Form von Video-Gruppenchats mit Zoom, Skype oder anderen Programmen/ Anbietern. Solche Online-Proben ersetzen zwar keine echte Chorarbeit, geben aber doch die Gelegenheit die Stimme fit zu halten, das Gelernte nicht zu vergessen und Neues auszuprobieren. Auch haben wir jetzt viel Zeit für einen Ideen- und Gedankenaustausch betreffend Planung und Entwicklung zukünftiger Konzerte und Aufführungen.

Wir sind zuversichtlich, dass die Covid-19-Pandemie kein unendlicher Dauerzustand bleibt. Mediziner*innen, Virologen*innen und andere Wissenschaftler*innen arbeiten mit Hochdruck, aber auch mit der gebotenen Sorgfalt daran, einen passenden Impfstoff sowie geeignete Medikamente zur Behandlung der Corona-Symptome zu entwickeln. Das braucht jedoch seine Zeit und fordert unsere Geduld.

Wir wünschen allen unseren Chören, Sängerinnen und Sängern viel Zuversicht. Halten Sie durch und kommen Sie gut durch diese seltsame Zeit.

Für den Chorverband beider Basel: 
Barbara Hahn, CVbB-Präsidentin